05. November 2012

Balu hilft bei Sprachstörung

MZ-Artikel vom 01.11.2012 - von Claudia Crodel

HALLE/MZ -"Sitz, Balu!", "Balu, hopp!" Der sechsjährige Halem hat ganz schnell gelernt, welche Kommandos er anwenden muss, um den Hund Balu über einen Hindernis-Parcours zu lotsen. Und das macht ihm obendrein riesigen Spaß. Seit über einem Jahr hat die Kindertagesstätte "Froschkönig" einen eigenen Hund, der seinen Namen nach dem Bären aus Walt Disneys Dschungelbuch-Film bekommen hat. "In unserer Kita arbeiten wir mit tiergestützter Pädagogik", erläutert Leiterin Constanze Stock. Außer dem Hund gibt es im "Froschkönig" sieben Kaninchen und zehn Meerschweinchen. Für den Umgang mit den Tieren haben die Kinder klare Regeln. Auch die Pflege und die Fütterung übernehmen sie gemeinsam mit den Erzieherinnen. Dieser Tage beginnt im "Froschkönig" ein neues Projekt. Die beiden Sprachberaterinnen Jaqueline Gawlitta und Anja Matzke-Hellem arbeiten im Rahmen der vom Bundes-Familien-Ministerium geförderten Offensive "Frühe Chancen: Schwerpunkt Sprache und Integration" in insgesamt drei Kindereinrichtungen in Neustadt. Im "Froschkönig" wollen sie gemeinsam mit Constanze Stock und Balu an der Sprachentwicklung einiger Mädchen und Jungen arbeiten, um sie gezielt auf die Schule vorzubereiten.

"Es sind insgesamt sechs Kinder, zwei Mädchen und vier Jungen, die verschiedene Sprachschwierigkeiten haben. Auch Kinder mit Migrationshintergrund sind dabei", so Constanze Stock. Darunter seien sehr schüchterne Kinder, die sich vor anderen nicht trauten, etwas zu sagen, aber auch welche mit auffälligem Sozialverhalten und Störungen in der Sprachentwicklung. Durch den spielerischen Umgang mit dem Hund lernen die Kinder, Defizite auszugleichen, vor allem wenn es um die Bewältigung von kleinen Konflikten und beim täglichen Sprechen geht. Das Projekt soll vorerst bis 2014 gehen und ist nachhaltig angelegt. Die bisherige Arbeit mit Balu habe durchweg positive Wirkung gezeigt, so die Kita-Leiterin. "Die Kinder können sehen, dass Balu reagiert, wenn sie mit ihm sprechen." Selbst die bloße Anwesenheit des Hundes im Morgen-Gesprächs-kreis bewirke, dass beispielsweise etwas "hippelige" Kinder ruhiger werden und sich besser konzentrieren könnten. Die Idee, einen Hund anzuschaffen, hatte Kita-Leiterin Constanze Stock vor gut eineinhalb Jahren. In der zum Kita-Eigenbetrieb der Stadt gehörenden Einrichtung mitten in Neustadt werden auch viele sozial benachteiligte Kinder, welche mit auffälligem Verhalten, Konzentrationsschwierigkeiten oder mit Verzögerungen bei der sprachlichen Entwicklung, betreut. Als Constanze Stock ihren eigenen Hund mit in der Kita hatte, merkte sie schnell, wie Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft stiegen. Mit Hilfe von zahlreichen Spenden, auch von MZ-Lesern, konnte der Hund angeschafft werden. Gegenwärtig absolviert der Golden Retriver eine Ausbildung zum Therapiehund im Therapie-und Ausbildungszentrum in Magdeburg. "Die Ausbildung kostet 1.500 Euro", erzählt Constanze Stock. Die habe man durch Spenden zusammenbekommen. Aber es kämen immer wieder neue Kosten dazu, wie ein Gesundheitszeugnis des Hundes, spezielles Spielzeug und so weiter. Deshalb sei man über jede, auch kleine Spende froh.


Experiment DER WOCHE